{"id":12305,"date":"2020-04-16T18:00:00","date_gmt":"2020-04-16T16:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=12305"},"modified":"2020-04-16T17:06:18","modified_gmt":"2020-04-16T15:06:18","slug":"quarantaene-fuer-den-fussball-geisterspiele-sind-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=12305","title":{"rendered":"Quarant\u00e4ne f\u00fcr den Fu\u00dfball \u2013 Geisterspiele sind keine L\u00f6sung!"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifu\u00dfball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils un\u00fcbersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld gef\u00fchrt. Im Folgenden m\u00f6chten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema \u00e4u\u00dfern:<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Die Wiederaufnahme des Fu\u00dfballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar \u2013 schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison w\u00e4re blanker Hohn gegen\u00fcber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren.<b>\u00a0<\/b>Der Profifu\u00dfball ist l\u00e4ngst krank genug und geh\u00f6rt weiterhin in Quarant\u00e4ne.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fu\u00dfball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschr\u00e4nkungen, die f\u00fcr vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, m\u00fcssen auch im Fu\u00dfball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschr\u00e4nkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen \u00fcber einen Mangel an Kapazit\u00e4ten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fu\u00dfballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fu\u00dfballspiels mit Zweik\u00e4mpfen, eines\u00a0normalen\u00a0 Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und\u00a0eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pl\u00e4ne f\u00fcr exklusive Testkontingente (\u00fcber 20.000 St\u00fcck) f\u00fcr den Profifu\u00dfball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktion\u00e4re durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es f\u00fcr uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar s\u00e4mtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb m\u00f6glichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Ganz offensichtlich hat der Profifu\u00dfball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abh\u00e4ngig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abh\u00e4ngigkeit von den Rechteinhabern.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifu\u00dfball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden k\u00f6nnen, wurde zumindest \u00f6ffentlich noch von keinem Funktion\u00e4r gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein m\u00f6glichst schnelles ,,Weiter so!\u2018\u2018, das jedoch lediglich einer \u00fcberschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin \u00fcberragende Eink\u00fcnfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten F\u00e4llen f\u00fcr einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneink\u00fcnfte f\u00fcr wenige extreme Profiteure zu sichern.\u00a0Dies zeigt sich auch in der absoluten Unt\u00e4tigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fu\u00dfball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel st\u00e4rkere Folgen h\u00e4tten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das \u201ePremiumprodukt\u201c kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Seit Jahren fordern Fans Reformen f\u00fcr eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarit\u00e4t zwischen gro\u00dfen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde R\u00fccklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abh\u00e4ngigkeit von einzelnen gro\u00dfen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 M\u00fcnchen, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens jetzt ist es aller h\u00f6chste Zeit, dass sich Fu\u00dfballfunktion\u00e4re ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verb\u00e4nde sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fu\u00dfballs grundlegend ver\u00e4ndern. Es ist h\u00f6chste Zeit!<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><strong>In diesem Zusammenhang fordern wir:<\/strong><u><\/u><u><\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir ma\u00dfen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fu\u00dfball auf diese Weise so derma\u00dfen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln w\u00fcrde, darf es jedoch nicht passieren.\u00a0<\/li>\n<li>Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom\u00a0blinden\u00a0Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein m\u00f6glicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umst\u00e4nde es nicht anders zulassen. In diesem Fall\u00a0sollten\u00a0nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen\u00a0skizziert\u00a0werden, sondern L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten in Form von F\u00f6rderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/li>\n<li>Eine kommende L\u00f6sung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner &#8211; und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,gro\u00df\u2018\u2018 und ,,klein\u2018\u2018 darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdr\u00fccklich schlie\u00dfen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, f\u00fcr die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.<\/li>\n<li>Die Diskussion \u00fcber grundlegende Reformen, um den Profifu\u00dfball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer\u00a0 zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten gef\u00fchrt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verb\u00e4nde.Strukturen und Vereine m\u00fcssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zur\u00fcckgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unber\u00fchrt bleiben.\u00a0<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fu\u00dfballwelt muss ein Ende haben!<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Fanszenen Deutschlands im April 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifu\u00dfball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils un\u00fcbersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld gef\u00fchrt. 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