{"id":12341,"date":"2020-05-28T18:00:01","date_gmt":"2020-05-28T16:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=12341"},"modified":"2020-05-28T15:39:58","modified_gmt":"2020-05-28T13:39:58","slug":"in-der-krise-beweist-sich-der-charakter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=12341","title":{"rendered":"In der Krise beweist sich der Charakter"},"content":{"rendered":"\n<p>Nein, der Fu\u00dfball befindet sich in keiner Krise \u2013 lediglich das Gesch\u00e4ftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifu\u00dfball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung auf den Profifu\u00dfball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fu\u00dfball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fu\u00dfballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer uners\u00e4ttlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verb\u00e4nden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017\/18 ca. 200 Mio. \u20ac) in Verbindung setzen.<\/p>\n<p><u><\/u><u><\/u><b>Wiederaufnahme des Spielbetriebs<\/b><u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Wir m\u00f6gen aktuell nicht beurteilen und absch\u00e4tzen k\u00f6nnen, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen w\u00e4re, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifu\u00dfballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen. Der Gedanke, dass sich mit gen\u00fcgend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, l\u00e4sst sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinem\u00e4\u00dfiger Screenings erachten wir als anma\u00dfend, w\u00fcrden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabh\u00e4ngige Testungen mehr Sinn ergeben w\u00fcrden. \u00dcbel st\u00f6\u00dft hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazit\u00e4ten auf, sondern weil sich der Profifu\u00dfball eine soziale Relevanz anma\u00dft und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verh\u00e4ltnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fu\u00dfballs gerecht wird.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>Ver\u00e4nderungen<\/b><u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>\u201eEs steht au\u00dfer Frage, dass k\u00fcnftig Nachhaltigkeit, Stabilit\u00e4t und Bodenst\u00e4ndigkeit zu den entscheidenden Werten geh\u00f6ren m\u00fcssen\u201c. Zwar zeugt die von der DFL get\u00e4tigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Ma\u00dfstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausma\u00df man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde.\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Es ist jetzt, und nicht erst nach \u00fcberstandener Krise, an der Zeit, \u00fcber konkrete Ver\u00e4nderungen im Profifu\u00dfball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wettbewerbsf\u00f6rdernde, liga\u00fcbergreifende Verteilung der Fernsehgelder<\/b><\/p>\n<p>Der aktuelle Verteilungsschl\u00fcssel sorgt daf\u00fcr, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung f\u00f6rdert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivit\u00e4t der Ligen.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0R\u00fccklagen<u><\/u><u><\/u><\/b><\/p>\n<p>Es muss festgelegt werden, dass die Clubs R\u00fccklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art \u00fcberstehen zu k\u00f6nnen, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem R\u00fccksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und daf\u00fcr ad\u00e4quate L\u00f6sungen gefunden werden, ohne diese &#8211; ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen.\u00a0Schlie\u00dflich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidit\u00e4t genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise gef\u00fchrt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverst\u00e4ndlich.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Gehalts- und Transferobergrenzen\u00a0<u><\/u><u><\/u><\/b><\/p>\n<p>Spielern und Funktion\u00e4ren seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien verg\u00f6nnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Ausw\u00fcchse zu stoppen und dem irrationalen und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Wettbieten entgegenzuwirken.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>4.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Einfluss durch Berater beschr\u00e4nken<u><\/u><u><\/u><\/b><\/p>\n<p>Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches f\u00fcr den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschr\u00e4nkt werden.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erkl\u00e4ren l\u00e4sst, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Abl\u00f6sesummen ist, der dem eigenen Verein tats\u00e4chlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Zu hoch sind die Betr\u00e4ge, die bei den Transfererl\u00f6sen bei den Spielerberatern h\u00e4ngen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Sch\u00fctzlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das \u201eKasse machen\u201c, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs \u00f6fter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zutr\u00e4glich w\u00e4re.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den gro\u00dfen Beratungsb\u00fcros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die H\u00f6he treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gest\u00f6rt und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifu\u00dfball kein Interesse haben kann.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen f\u00fcllen und die Verb\u00e4nde die Augen verschlie\u00dfen!<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fu\u00dfball, wenn gute Spieler gute Geh\u00e4lter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p><b>5.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Kader begrenzen<u><\/u><u><\/u><\/b><\/p>\n<p>Durch aufgebl\u00e4hte Spielerkader lagern die Vereine \u201eKapital\u201c auf Ihren Auswechselb\u00e4nken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht f\u00fcr die Konkurrenz auflaufen k\u00f6nnen und l\u00e4sst sie dann auf der Bank oder Trib\u00fcne versauen. Vereine, die es sich leisten k\u00f6nnen, bl\u00e4hen ihre Kader k\u00fcnstlich auf. Dem Motto folgend \u201ewas ich habe hat schon mal kein anderer\u201c. Das ist nat\u00fcrlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskr\u00e4ften sollte dennoch jederzeit m\u00f6glich sein, denn w\u00fcrde es rein um die Absicherung gegen Ausf\u00e4lle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein gro\u00dfer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu f\u00f6rdern.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Ein \u201eZusammenkauf\u201c von Profispielern \u201eauf Halde\u201c ist grunds\u00e4tzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gest\u00f6rt wird.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worten der Verbandsvertreter und von Funktion\u00e4ren, den Fu\u00dfball \u00e4ndern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschw\u00f6ren von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine l\u00f6sungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.<u><\/u><u><\/u><\/p>\n<p>Fanszenen Deutschlands im Mai 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, der Fu\u00dfball befindet sich in keiner Krise \u2013 lediglich das Gesch\u00e4ftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifu\u00dfball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung auf den Profifu\u00dfball blickt. 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