{"id":9869,"date":"2018-12-16T16:47:18","date_gmt":"2018-12-16T14:47:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=9869"},"modified":"2018-12-16T21:41:06","modified_gmt":"2018-12-16T19:41:06","slug":"juergen-moll-unvergessen-denn-loewenherzen-schlagen-ewig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/?p=9869","title":{"rendered":"J\u00fcrgen Moll unvergessen, denn L\u00f6wenherzen schlagen ewig!"},"content":{"rendered":"<p>Der Verein Eintracht Braunschweig steht f\u00fcr seine stolze Tradition, durch Taten der Menschen, die durch ihre au\u00dferordentliche Arbeit und ihr Ehrenamt f\u00fcr Blau und Gelb Geschichte geschrieben haben oder schreiben werden. Wir, die konstante Anh\u00e4ngerschaft, sind ebenfalls Teil des Vereins und haben die Pflicht ihn stolz zu repr\u00e4sentieren, sch\u00fctzend beiseite zu stehen und seine Tradition zu bewahren. Im Sinne dieser Verpflichtung und der Erinnerung steht die Choreografie des letzten Heimspiels f\u00fcr den Meisterspieler J\u00fcrgen Moll und seine Frau Sigrid (geb. Molwitz), deren tragischer Tod sich heute zum 50. Mal j\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Da J\u00fcrgen nie die Ehrung in vollen Z\u00fcgen zu Teil wurde, die ihm und seiner Arbeit f\u00fcr den Braunschweiger Sport geb\u00fchrt, ist die heutige Aktion und die nachfolgenden Zeilen ihm gewidmet:<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Moll wurde am 16.11.1939 in Karlsbad\/Tschechien geboren. Nach Ende des 2.Weltkrieges 1945 fl\u00fcchteten seine Eltern mit ihm nach Braunschweig. Sein erster Verein, f\u00fcr den er kickte, war der MTV Braunschweig. Vom MTV ging es 1954 f\u00fcr Moll weiter in die Jugend des SC Leu. Dort wurde Eintracht auf ihn aufmerksam, weil er als Mittelst\u00fcrmer in der Saison 1955\/56 94 Tore (!!) erzielt und in der Folgesaison 1956\/57 bis M\u00e4rz bereits wieder 45 Mal genetzt hatte. Da Leu ihn nicht einfach so gehen lassen wollte, wurde Moll zun\u00e4chst mit einer Sperre belegt. Diese nutzte er, um am Braunschweiger Hoffmann-von-Fallersleben Gymnasium sein Abitur zu machen und eine Banklehre zu beginnen.<\/p>\n<p>Ab Januar 1958 durfte er dann f\u00fcr die Eintracht-Amateure auf Torejagd gehen, was er erfolgreich tat: Bei seinem Deb\u00fct gelangen ihm gleich 2 Tore. Nur zwei Monate sp\u00e4ter wurde er schon in die 1. Mannschaft integriert. Diese spielte in der damals h\u00f6chsten Spielklasse, der Oberliga Nord, und schaffte es, die Saison hinter dem HSV als Tabellenzweiter zu beenden. Dieser Platz berechtigte zur Teilnahme an der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft, die in zwei Gruppen ausgetragen wurde. Obwohl es Eintracht in dieser Spielzeit nicht an treffsicheren St\u00fcrmern fehlte \u2013 der BTSV stellte mit Thamm und Meyer die beiden Besten der Torj\u00e4gerliste &#8211;, wurde der junge Moll in allen drei Partien der Endrunde gegen Schalke, den KSC und Tennis Borussia Berlin eingesetzt und erzielte dabei 3 Treffer.<\/p>\n<p>Nachdem der noch 18j\u00e4hrige im Juli einen Lizenzspielervertrag unterschrieben hatte, durfte er sich in der Folgesaison 1958\/59 schon Stammspieler in der Oberliga nennen (20 Eins\u00e4tze), war aber hinter dem erfahrenen Thamm St\u00fcrmer Nr.2. Das \u00e4nderte sich auch in den folgenden zwei Spielzeiten nicht. Bis zum Sommer 1961 kam Moll in 63 Oberligaspielen (einschl. Endrunde Sommer 1958) zum Einsatz und traf dabei 27 Mal ins gegnerische Netz. Als Thamm dann seine Karriere beendete, begann J\u00fcrgen Molls gro\u00dfe Zeit. In der Saison 1961\/62 absolvierte er jedes der 30 Punktspiele und schoss dabei 26 Tore. In der Folgesaison 1962\/63, die f\u00fcr die Festlegung der Bundesligavereine letztendlich von entscheidender Bedeutung sein sollte, war er mit 23 Toren in 26 Partien nicht minder erfolgreich. Mit seinem Torinstinkt trug er erheblich dazu bei, dass Eintracht den dritten Platz in der Abschlusstabelle erreichte und als dritter Nordvertreter nach dem HSV und Werder Bremen das Startrecht f\u00fcr die neugeschaffene Bundesliga erhielt.<\/p>\n<p>Moll blieb dem BTSV auch bei Einf\u00fchrung der Bundesliga 1963 treu. Eigentlich wollte er zum HSV wechseln, zumal er inzwischen auch ein Volkswirtschaftslehre-Studium in Hamburg begonnen hatte, blieb dann aber seinem Heimatverein treu, als feststand, dass Eintracht ebenfalls der Bundesliga angeh\u00f6ren w\u00fcrde. Andere interessante Angebote, so von Preu\u00dfen M\u00fcnster, schlug er ebenfalls aus. Er brach sein Studium ab und kehrte nun ganz nach Braunschweig zur\u00fcck.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9875\" src=\"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/17-e1544986790179.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"277\"><\/p>\n<p>In der 1.Bundesliga-Saison stand Moll in jedem Spiel (30) auf dem Platz und war neben Wuttich mit 8 Treffern erfolgreichster St\u00fcrmer der Blau-Gelben. Sein erstes Bundesligator gelang ihm dabei am 2.Spieltag. Mit dem 1:0 gegen Preu\u00dfen M\u00fcnster in der 15.Spielminute zeichnete er f\u00fcr den ersten Sieg von Eintracht in der Bundesliga verantwortlich.<\/p>\n<p>In der n\u00e4chsten Spielzeit 1964\/65 lief es mit 6 Toren in 25 Partien nicht ganz so rund f\u00fcr Moll, was den damaligen Trainer Johannsen auf die Idee brachte, ihn zum linken Au\u00dfenverteidiger umzuschulen. Fortan spielte er nur noch in der Abwehr. Sein St\u00fcrmerblut konnte er jedoch nie verleugnen, ging h\u00e4ufig mit nach vorn und erzielte immer wieder einmal ein Tor. J\u00fcrgen Moll war damit zu einer Zeit, als die Verteidiger im Prinzip nur Defensivaufgaben besa\u00dfen, einer der ersten, der ein modernes Au\u00dfenverteidigerspiel praktizierte.<\/p>\n<p>In der Saison 1965\/66 gelangen Moll (in 21 Begegnungen) immerhin 3 Treffer. In der Meisterschaftssaison 1966\/67, in der er jede Minute der 34 Saisonspiele auf dem Rasen stand, war er sogar 5x erfolgreich.<\/p>\n<p>Alle diese Tore, die von ihm s\u00e4mtlich in der R\u00fcckrunde erzielt wurden, waren besondere Treffer. Sein erstes Saisontor er\u00f6ffnete den Torreigen gegen den Tabellenzweiten aus Frankfurt (3:0), sein zweites Tor war das &#8222;goldene Tor&#8220; gegen den deutschen Meister von 1966 1860 M\u00fcnchen 13 Minuten vor Schluss (1:0) und sein drittes Tor blamierte die Bayern aus M\u00fcnchen vollends, da es f\u00fcr sie bereits das f\u00fcnfte Gegentor darstellte (5:2). Bayern Keeper Sepp Maier verbrannte nach diesem Spiel sein Trikot. Mit dem vierten Tor, seinem einzigen Ausw\u00e4rtstor, eroberte Moll Eintracht 48 Sekunden vor dem Abpfiff einen wichtigen Punkt bei Fortuna D\u00fcsseldorf (1:1). Das f\u00fcnfte Tor schlie\u00dflich war das letzte Saisontor f\u00fcr den neuen deutschen Meister Eintracht Braunschweig gegen den &#8222;Club&#8220; aus N\u00fcrnberg, ebenfalls in der letzten Spielminute erzielt (4:1). Nach diesem Treffer st\u00fcrmten die Fans den Platz.<\/p>\n<p>Auch in der folgenden Spielzeit 1967\/68 verzichtete Trainer Johannsen nicht ein einziges Mal auf seinen Linksverteidiger (34 Spiele, 5 Tore). Dasselbe galt ebenfalls f\u00fcr die Hinrunde der Saison 1968\/69 (17 Spiele, 0 Tore). Da mit Beginn dieser Saison jedoch erstmalig ein Wechsel pro Team erlaubt war, kam Moll in zwei Partien nur zu Teileins\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Dem Grunde nach f\u00fchrte J\u00fcrgen Moll kurz vor Weihnachten 1968 in jeglicher Hinsicht ein Bilderbuchleben. Der Modellathlet mit den blauen Augen war Stammspieler bei einem Bundesligaverein und dar\u00fcber hinaus auch als Versicherungsmakler sehr erfolgreich. Daneben verdiente er sich als Model f\u00fcr eine Bekleidungsfirma aus Hamburg mit Niederlassung in Braunschweig so manche Mark hinzu. Privat hatte er sein Gl\u00fcck mit der Heirat der aufstrebenden Schauspielerin Sigrid Molwitz gefunden und der Geburt der zwei gesunden T\u00f6chter Alke (*1964) und Caroline (*1967) gefunden. Zusammen mit seiner Familie lebte er im eigenen Haus in Lehre, das damals zum Landkreis Braunschweig geh\u00f6rte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9874\" src=\"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/05-e1544986556349.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\"><\/p>\n<p>Dann schlug das Schicksal zu. Auf der R\u00fcckfahrt von Sylt am 16.12.1968 verungl\u00fcckte J\u00fcrgen Moll gemeinsam mit seiner Ehefrau Sigrid auf der Autobahn zwischen Hamburg und Hannover (bei Evendorf) bei Schnee und Gl\u00e4tte mit seinem PKW schwer. Moll war sofort tot, seine Ehefrau kurz danach. Die beiden Kinder, die bei den Gro\u00dfeltern geblieben waren, standen pl\u00f6tzlich ohne Eltern da.<\/p>\n<p>Der Schock und die Anteilnahme im Harz- und Heideland waren gro\u00df. Allein 4.000 Menschen kamen zur Trauerfeier, darunter die komplette Mannschaft von Hannover 96 und die Nationalmannschaft.<\/p>\n<p>Zugunsten der Kinder fanden am 14.4.1969 noch zwei Benefizspiele statt. In dem einen spielte die Weltmeisterelf von 1954 gegen eine Auswahl fr\u00fcherer Nationalspieler. Es sollte das einzige Mal bleiben, in dem die Weltmeister um die Walther-Br\u00fcder und Rahn nach dem Titelgewinn geschlossen antraten. Weltmeistertrainer Sepp Herberger hatte sich immer gegen einen solchen Auftritt seines Teams gewehrt, weil er f\u00fcrchtete, der Mythos des Einmaligen w\u00fcrde so zerst\u00f6rt. Als ihn aber Johannsen um den Auftritt im Rahmen der Benefizveranstaltung bat, willigte er ein. \u201eJ\u00fcrgen Moll war diese Ausnahme wert\u201c, sagte er sp\u00e4ter. Im zweiten Benefizspiel trat eine gemischte Auswahl von Eintracht und Hannover 96 gegen eine Bundesligaauswahl an. 21.000 Zuschauer waren eine imponierende Kulisse. F\u00fcr die M\u00e4dchen kam ein Reinerl\u00f6s von 100.000 DM zusammen.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngere Tochter der Molls Caroline verstarb bereits 2014. Die \u00e4ltere Tochter Alke dagegen lebt inzwischen wieder in der Region und widmet sich als K\u00fcnstlerin der Malerei. Ihr Lieblingsbild? Ein L\u00f6we!<\/p>\n<p>Mit seinen 101 Toren in 278 Punktspielen nimmt J\u00fcrgen Moll noch immer den zweiten Platz in der Torj\u00e4gerliste von Eintracht ein. In der Bundesliga kam er zwischen 1963 und 1968 161 Mal f\u00fcr die Blau-Gelben zum Einsatz und schoss dabei 27 Tore.<\/p>\n<p>Insgesamt absolvierte er 296 Spiele in der Liga, Vereins- sowie Europapokal im Eintracht-Trikot und schoss dabei 105 Tore.<\/p>\n<p>Dass wahre L\u00f6wen niemals vergessen werden, wurde erst wieder am 17.8.2018 deutlich, als sich in Wendhausen daran erinnert wurde, dass Familie Moll jahrelang im Teichtal gewohnt hatte. So fand im Zeichen des Andenkens das erste J\u00fcrgen-Moll-Ged\u00e4chtnisturnier statt.<\/p>\n<p>Einmal L\u00f6we \u2013 Immer L\u00f6we!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-9871\" src=\"http:\/\/www.cattiva-brunsviga.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/03-1-e1544986282392.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"334\"><\/p>\n<p>Text: Schommi \u2013 www.remember-blaugelb.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Verein Eintracht Braunschweig steht f\u00fcr seine stolze Tradition, durch Taten der Menschen, die durch ihre au\u00dferordentliche Arbeit und ihr Ehrenamt f\u00fcr Blau und Gelb Geschichte geschrieben haben oder schreiben werden. 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